Aufruf von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup zur Mahnwache und zum Gedenken

Liebe Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe und der Technologieregion,

die Terroranschläge in Paris vom Freitagabend machen uns alle sehr betroffen und wühlen uns auf. Zu Mitleid und Mitgefühl mit den Ermordeten, ihren Familien, Freundinnen, Freunden, Kolleginnen und Kollegen gesellen sich unbändige Wut und heftiger Trotz und der Wunsch, etwas tun zu müssen, gegen "Etwas" ankämpfen zu wollen oder für "Etwas" einzutreten.

Ich rufe Sie daher im Namen der Stadt auf: Lassen Sie uns dies gemeinsam tun. Lassen Sie uns zusammenkommen, uns austauschen, uns gemeinsam orientieren. Und vor allem auch lassen Sie uns zusammenkommen, um gemeinsam inne zu halten, zu trauern und zu gedenken. Dazu lade ich Sie morgen, am Montag, den 16. November 2015, um 17.00 Uhr an den Platz der Grundrechte zwischen Marktplatz und Schlossvorplatz ein. Nach einer Ansprache wollen wir still gedenken, Kerzen sollen an die erinnern, die nicht mehr dabei sein können, obwohl sie es hier oder anderswo vielleicht gerne gewollt hätten.

Resignation sollte jetzt ebenso wenig am Platze sein wie unüberlegter Aktionismus. Und doch zwingen uns die Attentate, einige Positionen klarer zu formulieren und sie noch geschlossener und mutiger gemeinsam zu vertreten. Dazu gehört das uneingeschränkte Bekenntnis zu den universell geltenden Menschenrechten und zur Demokratie als unserer Staats- und Gesellschaftsform, wie sie durch noch so viel Gewalt von wem auch immer nicht in Frage gestellt werden können. Dazu gehört aber auch eine Antwort auf die Frage, wie diese Werte auch denjenigen eine individuelle und selbstbestimmte Lebensgestaltung ermöglichen, denen dies bislang durch ihre wirtschaftliche oder soziale Situation nicht möglich war oder die in Regionen der Welt leben, in denen schon die Menschenrechte grundsätzlich nicht gewährleistet sind. Auch alle diese Menschen brauchen wir in unserer Allianz gegen Angst, Hass und Verachtung der Menschlichkeit.

Die Attentate in Paris richteten sich gegen keine gesellschaftliche Gruppe, sondern gegen uns alle, unsere Werte, unsere Gesellschaft insgesamt. Diesen mit Abgrenzung, Ausgrenzung oder Eingrenzung zu begegnen, hieße, der Angstmache und dem Hass zum Erfolg zu verhelfen. Das wollen wir nicht und werden es nicht zulassen, nicht in Karlsruhe und möglichst nirgends. Kommen Sie deshalb morgen, wenn Sie es einrichten können, und lassen Sie uns dieses uns gemeinsam versichern.

Dr. Frank Mentrup
Oberbürgermeister

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